Die Einheit Körper & Seele

 
Der Körper ist der Handschuh der Seele 
 
 

Ich glaube nicht an den Dualismus von Körper und Seele, Beide sind von einander untrennbar. Wir müssen uns nur die einfache Frage stellen: Habe ich einen Körper oder bin ich mein Körper? Für mich ist die Antwort klar: Solange ich lebe und mit anderen lebendig kommuniziere, bin ich mein Körper. Die englische Sprache hat für diese Identität eindeutige Begriffe. „Somebody“ ist jemand, „nobody“ ist niemand. Ohne Körper keine Existenz und kein Begriff von uns selbst.
Nein, ich möchte keine theologischen Streitfragen und schon gar keine Glaubens-Fragen aufwerfen. Es ist jedermanns eigene Entscheidung, seinen Glauben, seine Lebens- oder Todesanschauung aufzubauen.
Ich spreche von Beweisbarem und Erfahrbarem, von meinem Körper. Und es fällt mir auf, dass viele Religionen uns das „Paradies“ erst nach dem Tode versprechen. Soll das heißen, dass unser Leben auf der Erde keine Erfüllung findet? Man spricht von der Sünde des Fleisches, von der Begierde des Leibes – alles, was den Wünschen unseres Körpers entspricht, scheint vom Fluch der Lasterhaftigkeit bedroht, bis hin zur Erbsünde. Liegt hier nicht der Grund unserer negativen Einstellung zum Körper und zum Leben? Ist hier nicht die Ursache unserer Schwierigkeit, unseren Körper anzunehmen und frei zu leben? Wir rufen in der Not: „Rettet unsere Seelen“ – und meinen doch, rettet unseren Körper, damit wir leben können. Nur in der Religion und in der Poesie ist unser Körper von unserer Seele zu trennen.
Empfindung und Wirklichkeit, Sein und Seele sind in der menschlichen Vorstellung kaum zu trennen.
Was wir sind, sind wir durch unseren Körper. Der Körper ist der Handschuh der Seele, seine Sprache das Wort des Herzens. Jede innere Bewegung, Gefühle, Emotionen, Wünsche drücken sich durch unseren Körper aus. Was wir Körperausdruck nennen, ist der Ausdruck innerer Bewegungen.
Wir nehmen uns selbst und unserer Umwelt nur durch unseren Körper wahr. Nervensystem und Sinnesorgane senden diese Wahrnehmungen als Reize weiter an das Gehirn, und dort werden sie auf zweierlei Weise registriert: Einmal als Geschehen und zum zweiten als angenehm oder unangenehm. Es gibt für uns keine andere Form der Wahrnehmung, und darum müssen wir uns zuerst erklären, wie dieser Organismus „Körper“ funktioniert, damit wir auch verstehen, wie er reagiert. Nur das gründliche Verständnis des Systems unseres Organismus gibt uns die Möglichkeit, die Bausteine der Körpersprache zu erfassen.
 
Samy Molcho